Welche Kontaktlinsen bei Keratokonus? Alle 6 Linsensysteme im großen Vergleich

Wer mit der Diagnose Keratokonus zum ersten Mal Kontaktlinsen angepasst bekommt, startet meistens mit einer klassischen kleinen, „harten“ (formstabilen) Kontaktlinse. Bei vielen Betroffenen funktioniert das im Anfangsstadium auch wunderbar. Doch was passiert, wenn der Keratokonus weiter voranschreitet, die Hornhautspitze (der sogenannte Apex) immer steiler wird und die kleine Linse plötzlich bei jedem Lidschlag schmerzt, scheuert oder beim Sport sogar einfach aus dem Auge fällt?

In unseren Kontaktlinsenterminen bei Die Brillenmacher Wallstadt hören wir dann oft den Satz: „Mein bisheriger Anpasser hat gesagt, ich muss mich an die Schmerzen gewöhnen – bei Keratokonus gehen nun mal nur harte Linsen.“

Diese Aussage ist heute schlichtweg veraltet! Ja, für eine scharfe Sicht brauchen wir bei einer unregelmäßigen Hornhaut fast immer eine formstabile optische Oberfläche – aber das bedeutet noch lange nicht, dass eine winzige harte Linse ungeschützt auf Ihrer empfindlichsten Hornhautstelle herumreiben muss. Die moderne Spezial-Kontaktlinsenoptik bietet heute sechs völlig unterschiedliche Linsensysteme. Welches System in welchem Stadium die beste Sicht und den höchsten Tragekomfort liefert, was nach einem Crosslinking (CXL) zu beachten ist und wie sich die Systeme preislich unterscheiden, erfahren Sie in diesem umfassenden Systemvergleich.

Erklärung der Hornhautdicke und Vorwölbung bei einem Auge mit Keratokonus

Warum es „die eine“ Keratokonuslinse nicht gibt: Die Topographie entscheidet (Die Oberfläche des Auges)

Kein Keratokonus gleicht dem anderen. Während sich der Kegel (Konus) bei dem einen Kunden relativ zentral wie eine kleine Brustwarze vorwölbt („Nipple Cone“), hängt er bei einem anderen Kunden tief im unteren Drittel der Hornhaut („Oval Cone“) oder zieht sich über die gesamte Breite („Globus Cone“). Hinzu kommt: Jedes Augenlid hat eine andere Spannung und jeder Tränenfilm eine andere Zusammensetzung.

Bevor wir bei uns in Mannheim-Wallstadt überhaupt über einen bestimmten Linsentyp sprechen, vermessen wir Ihr Auge berührungslos mit unserer hochauflösenden Scheimpflug-Kamera und dem Topographen (ähnlich wie bei der Untersuchung einer komplexen Hornhautverkrümmung). Erst diese 3D-Höhenkarte zeigt uns, wo Ihre Hornhaut Entlastung braucht – und welches der folgenden 6 Systeme perfekt zu Ihrem Auge und dem Alltag passt.

Die 6 Kontaktlinsen-Systeme bei Keratokonus im Detail-Vergleich

In unserem allgemeinen Grundlagenartikel „Keratokonus und Kontaktlinsen: Was du wissen musst“ haben wir bereits geklärt, warum Kontaktlinsen optisch den Aberrationen höherer Ordnung (Geisterbildern und Schatten) so überlegen sind. Schauen wir uns nun die konkreten Bauformen von Stufe 1 bis Stufe 6 an:

Stufe 1: Spezielle weiche Keratokonuslinsen (Frühstadium & Gelegenheitsträger)

Normale weiche Kontaktlinsen aus dem Drogeriemarkt oder Standard-Monatslinsen schmiegen sich wie eine Frischhaltefolie direkt an die unregelmäßige Keratokonus-Hornhaut an – die unebene Form wird einfach auf die Vorderseite übertragen, und Sie sehen weiterhin verzerrt. Spezielle weiche Keratokonuslinsen besitzen hingegen eine deutlich erhöhte Mittendicke (meist zwischen 0,3 und 0,6 mm). Durch diese Steifigkeit im Zentrum können sie leichte Unregelmäßigkeiten überbrücken.

Aufbau und Sitz einer speziellen weichen Keratokonuslinse mit verdicktem Zentrum
  • Vorteile: Spontan sehr hoher Tragekomfort, kaum Eingewöhnungszeit, sitzt fest beim Sport.
  • Nachteile / Grenzen: Geringere Sauerstoffdurchlässigkeit durch das dicke Material; ab einem mittleren Keratokonus reicht die optische Schärfe nicht mehr an formstabile Systeme heran.

Stufe 2: Klassische formstabile Keratokonuslinsen (Korneallinsen, ca. 8,5 – 10,2 mm)

Das ist der bewährte Klassiker unter den harten Kontaktlinsen. Anders als normale formstabile Linsen besitzen Keratokonus-Korneallinsen eine mehrkurvige (multikurvige) Rückfläche: Im Zentrum sind sie extrem steil geformt, um dem Kegel Platz zu bieten, während sie zum Rand hin flacher auslaufen, um auf der gesunden peripheren Hornhaut Halt zu finden.

Klassische kleine formstabile Keratokonus-Kontaktlinse direkt auf der Hornhaut
  • Vorteile: Brillante optische Abbildungsqualität, sehr gute Sauerstoffversorgung und Tränenunterspülung, einfache Handhabung, wird als Regelversorgung von der Krankenkasse bezuschusst.
  • Nachteile / Grenzen: Da die Linse kleiner als die Hornhaut ist, gleitet das empfindliche Oberlid bei jedem der rund 15.000 täglichen Lidschläge über die Linsenkante. Bei steilen Kegeln kann die Linse auf dem Apex reiben (Gefahr von Hornhautnarben!), verrutschen oder Staubkörner fangen.

Stufe 3: Grenzlimbale Kontaktlinsen (Größere formstabile Linsen, ca. 10,5 – 12,5 mm)

Wenn eine kleine Korneallinse auf einem tief sitzenden Konus ständig nach unten sackt oder am Lidrand kippelt, vergrößern wir den Durchmesser so weit, dass die Linse bis fast an den Übergang zur weißen Lederhaut (den Limbus) reicht: die grenzlimbale Keratokonuslinse (auch Corneo-Sklerallinse oder Intra-Limballinse genannt).

Grenzlimbale Keratokonuslinse mit größerem Durchmesser für bessere Zentrierung und höheren Komfort
  • Vorteile: Das Gewicht verteilt sich auf eine viel größere Fläche; der Linsenrand liegt oft schon schützend unter dem Oberlid versteckt, was das Fremdkörpergefühl drastisch senkt und die Zentrierung verbessert.
  • Nachteile / Grenzen: Bei extrem weit vorgewölbten Hornhäuten oder sehr empfindlichem Epithel berührt auch diese Linse noch Teile der Hornhaut.

Stufe 4: Das Huckepack-System („Piggyback“ – Weich + Formstabil kombiniert)

Was tun, wenn Sie mit einer formstabilen Keratokonuslinse zwar gestochen scharf sehen, Ihre Hornhautspitze aber so dünn und empfindlich ist, dass die harte Linse schon nach zwei Stunden Schmerzen oder kleine Abschürfungen (Stippungen) verursacht? Beim Huckepack-System setzen wir zuerst eine hoch-sauerstoffdurchlässige weiche Silikon-Hydrogel-Linse als „Schutzverband“ auf das Auge – und direkt darauf (eben „Huckepack“) die formstabile Keratokonuslinse.

Huckepack-System bei Keratokonus: Eine weiche Trägerlinse schützt die Hornhaut unter der harten Linse
  • Vorteile: Sofortiger mechanischer Schutz der Hornhautspitze (ähnlich wie bei einer Verbandslinse nach einer Operation), kombiniert mit der 100-prozentigen Sehschärfe der harten Linse.
  • Nachteile / Grenzen: Sie müssen im Alltag zwei Linsen pro Auge handhaben, einsetzen und pflegen (doppelter Pflegeaufwand).

Stufe 5: Hybridlinsen (Harter Kern, weicher Rand in einer einzigen Linse)

Um den Komfort des Huckepack-Systems in einer einzigen Linse zu vereinen, wurden Hybridlinsen entwickelt: In der Mitte besteht die Linse aus einem hochpräzisen formstabilen Material für scharfe Sicht, das untrennbar mit einer weichen Trägerschürze am Rand verschmolzen ist, die sich sanft auf die Bindehaut legt.

Hybridlinse bei Keratokonus kombiniert einen formstabilen Kern mit einem weichen Außenrand
  • Vorteile: Sehr gute Zentrierung, kein Verrutschen, hohes Komfortgefühl am Lidrand bei nur einer Linse pro Auge.
  • Nachteile / Grenzen: Kürzere Haltbarkeit (meist Austausch alle 6 Monate nötig), beim Herausnehmen braucht man etwas Übung, damit die Verbindungszone zwischen hart und weich nicht einreißt (siehe auch: Warum reißen Kontaktlinsen?).

Stufe 6: Sklerallinsen & abdruckbasierte EyePrintPRO (Die Königsklasse)

Wenn der Keratokonus weit fortgeschritten ist, nach einer Keratoplastik (Hornhauttransplantation), bei starkem Sicca-Syndrom (trockenen Augen) oder wenn jedes andere System drückt, schlägt die Stunde der Sklerallinsen. Diese großen Speziallinsen (ca. 15,0 bis 18,5 mm) berühren Ihre empfindliche Hornhaut an keiner einzigen Stelle mehr! Sie wölben sich wie eine schützende Kuppel komplett über den Keratokonus hinweg, sind mit steriler Kochsalzlösung gefüllt und ruhen ausschließlich auf der unempfindlichen weißen Lederhaut (Sklera).

Sklerallinse überbrückt den Keratokonus berührungslos mit einem Flüssigkeitsreservoir

Übersichtstabelle: Welches Linsensystem passt zu mir – und was kostet es?

Damit Sie alle 6 Optionen inklusive Tragekomfort, Sehschärfe und den konkreten Kosten (Details zur Erstattung finden Sie in unserem großen Leitfaden „Keratokonus & Krankenkasse: Wann werden Speziallinsen übernommen?“) direkt vergleichen können:

LinsensystemIdeal für welches Stadium / Problem?Spontaner KomfortOptische SchärfeReguläre Kosten (vor Kassenzuschuss)
1. Spezielle weiche KeratokonuslinsenFrühstadium (Grad 1), Sportler, Gelegenheitsträger.Sehr hochMittel bis GutIndividuell nach Tauschintervall (Halbjahres-/Jahreslinse)
2. Klassische formstabile KorneallinsenLeichter bis mittlerer Keratokonus bei robuster Hornhaut.Mittel (Eingewöhnung nötig)Sehr hochca. 400 € pro Linse
(+ 250 € einmalige Anpassgebühr für beide Augen)
3. Grenzlimbale LinsenWenn kleine harte Linsen verrutschen, kippen oder am Lid stören.Gut bis Sehr gutSehr hochca. 400 € – 550 € pro Linse
(+ 250 € einmalige Anpassgebühr)
4. Huckepack-System (Weich + Hart)Wenn die Hornhautspitze extrem empfindlich ist oder vernarbt.HochSehr hochKombination aus formstabiler Linse (ca. 400 €) + weichen Trägerlinsen
5. HybridlinsenUnverträglichkeit reiner Hartlinsen, Wunsch nach 1 Linse statt Huckepack.HochHoch bis Sehr hochHalbjahres-Systeme (Kosten abhängig vom Hersteller-Paket)
6. Sklerallinsen & EyePrintPROFortgeschrittener Konus, trockene Augen, nach Transplantation, maximale Entlastung.Maximal (Hornhaut bleibt berührungsfrei)MaximalSklerallinsen: ca. 2.500 € / Jahr
EyePrintPRO: ca. 7.500 € / Jahr

Wichtiger Sonderfall: Kontaktlinsen nach dem UV-Crosslinking (CXL)

Bei vielen jüngeren Keratokonus-Patienten wird heute ein sogenanntes Hornhaut-Crosslinking (CXL mit Riboflavin / Vitamin B2 und UV-A-Licht) durchgeführt. Wichtig zu wissen: Das Crosslinking hat das Ziel, die Hornhautkollagene zu vernetzen und das Fortschreiten der Vorwölbung zu stoppen – es macht die bereits vorhandene Verformung aber nicht rückgängig! Sie benötigen also auch nach dem Eingriff Speziallinsen für scharfes Sehen.

Funktionsweise von UV-Crosslinking bei Keratokonus zur Stabilisierung der Hornhaut

Ab wann dürfen nach dem Crosslinking wieder Kontaktlinsen angepasst werden?

  • In den ersten 4 bis 8 Wochen nach der OP: Die oberste Deckschicht der Hornhaut (das Epithel) muss erst vollständig abheilen und sich stabilisieren. In dieser Zeit dürfen keine regulären formstabilen Hornhautlinsen auf dem operierten Auge getragen werden.
  • Der Vorteil von Sklerallinsen nach Crosslinking: Da eine Sklerallinse die operierte Hornhaut komplett überbrückt und nur auf der weißen Bindehaut aufliegt, kann sie nach Rücksprache mit dem behandelnden Augenarzt oft schon deutlich früher wieder getragen werden als eine kleine Linse, die direkt auf der frisch vernetzten Hornhaut reiben würde!
  • Neue 3D-Vermessung nach 3 bis 6 Monaten: Da sich die Hornhaut durch das Crosslinking in den ersten Monaten oft noch leicht abflacht („Remodelling“), prüfen wir bei unseren engmaschigen Nachkontrollen, ob Ihre bisherige Linse nachgearbeitet oder neu angepasst werden muss.

Häufige Fragen (FAQ) zum Wechsel des Linsensystems bei Keratokonus

Meine aktuelle harte Kontaktlinse fällt ständig heraus oder schmerzt – ist das normal?

Nein! Wenn eine Keratokonuslinse häufig herausfällt, stark kratzt oder Sie die Linse nur 3 bis 4 Stunden am Tag ertragen, stimmt die Rückflächengeometrie nicht (mehr) mit Ihrer aktuellen Hornhautform überein. Tragen Sie eine drückende Linse keinesfalls mit Gewalt weiter, da durch die mechanische Reibung auf der Kegelspitze dauerhafte Hornhautnarben entstehen können.

Wie lange muss ich meine alten Linsen vor einer Neu-Anpassung bei Ihnen weglassen (Karenzzeit)?

Eine schlecht sitzende kleine harte Linse drückt die Hornhautspitze oft wie ein Stempel platt („Corneal Warpage“). Wenn Sie für eine Zweitmeinung oder einen Systemwechsel (z. B. auf Sklerallinsen) zu uns kommen, können Sie zum ersten Kennenlern- und Analyse-Termin gerne mit eingesetzten Linsen erscheinen, damit wir sehen, wo das bisherige Problem liegt. Für die finale 3D-Messung der neuen Maßlinsen besprechen wir dann individuell eine kurze Linsenpause (oder einen fließenden Übergang), damit wir Ihre unverfälschte Hornhautform erfassen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag „Wie Sie für eine Kontaktlinsenanpassung von einem anderen Optiker zu uns wechseln“.

Finden Sie das System, das Ihre Augen endlich aufatmen lässt

Bei Die Brillenmacher Wallstadt sind wir nicht auf einen einzigen Hersteller oder ein einziges Linsensystem festgelegt. Ob mehrkurvige Korneallinse, grenzlimbales Design, Huckepack, Hybrid, individuelle Sklerallinse oder EyePrintPRO: Wir zeigen Ihnen nach einer präzisen 3D-Analyse, mit welchem System Sie die höchste Sehschärfe und den besten Ganztages-Komfort erreichen.

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