Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Wenn plötzlich die Arme zu kurz werden
In meiner täglichen Praxis sehe ich häufig Kunden, die ab Mitte 40 plötzlich eine frustrierende Veränderung bemerken: Die Speisekarte im Restaurant verschwimmt, das Smartphone muss immer weiter weggehalten werden, und bei schlechtem Licht geht beim Lesen gar nichts mehr. Der humorvolle Satz „Meine Arme werden langsam zu kurz“ fällt in fast jeder Beratung.
Viele dieser Menschen tragen bereits seit Jahren erfolgreich Kontaktlinsen und stehen nun vor einem Dilemma: Müssen sie ihre geliebte Freiheit ohne Brille nun aufgeben und zur Lesebrille greifen? Die klare Antwort lautet: Nein. Formstabile multifokale Kontaktlinsen (im Volksmund „harte Gleitsichtlinsen“ genannt) bieten eine herausragende, wenngleich oft unterschätzte optische Lösung, um in allen Entfernungen wieder stufenlos scharf zu sehen.
2. Was Alterssichtigkeit wirklich bedeutet
Alterssichtigkeit – in der Fachsprache Presbyopie genannt – ist keine Krankheit, sondern ein völlig natürlicher, physiologischer Alterungsprozess des Auges.
Um in der Nähe (z. B. beim Lesen) scharf zu sehen, muss sich die körpereigene Augenlinse wölben. Diesen Vorgang nennt man Akkommodation. Mit zunehmendem Alter, meist beginnend zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr, verliert die Linse ihre Elastizität.
Der Ringmuskel im Auge (Ziliarmuskel) zieht sich zwar noch zusammen, aber die verhärtete Linse kann der Formveränderung nicht mehr folgen. Das Resultat: Der optische Brennpunkt für nahe Objekte fällt theoretisch hinter die Netzhaut, das Bild im Nahbereich wird unscharf.
- Kurz gefasst:
Was ist Presbyopie? Presbyopie (Alterssichtigkeit) ist der altersbedingte Elastizitätsverlust der körpereigenen Augenlinse. Das Auge verliert dadurch die Fähigkeit zur Akkommodation (Scharfstellung in der Nähe). Betroffene benötigen eine optische Unterstützung (Addition), um Objekte im Nahbereich (30–40 cm) wieder deutlich erkennen zu können.
3. Warum normale Kontaktlinsen plötzlich nicht mehr funktionieren
Eine herkömmliche Einstärken-Kontaktlinse (sphärisch oder torisch) ist darauf ausgelegt, genau eine Fehlsichtigkeit zu korrigieren – meist die Kurzsichtigkeit (Myopie) oder Weitsichtigkeit (Hyperopie) für die Ferne.
Solange das Auge selbst noch akkommodieren kann, übernimmt es die Scharfstellung für die Nähe einfach selbst, während die Linse die Grundfehlsichtigkeit ausgleicht. Setzt die Presbyopie ein, entfällt dieser körpereigene Autofokus. Die normale Kontaktlinse korrigiert weiterhin perfekt die Ferne, aber für den Computerbildschirm oder das Buch fehlt dem Auge nun die nötige Brechkraft. Die bisherige Kontaktlinse wird im Alltag plötzlich als unzureichend empfunden.
4. Welche Lösungen es für Alterssichtigkeit gibt
Es gibt verschiedene Strategien, um der Presbyopie bei Kontaktlinsenträgern zu begegnen. Jede hat ihre Berechtigung, aber auch klare optische Grenzen.
Vergleich der Versorgungsmöglichkeiten
| Methode | Beschreibung | Vorteile | Nachteile |
| Lesebrille über Linsen | Fern-Kontaktlinsen bleiben im Auge, zum Lesen wird eine Lesebrille aufgesetzt. | Kostengünstig, keine Anpassungszeit, sehr scharfe Nahsicht. | Ständiges Auf- und Absetzen, Brille ist wieder präsent. |
| Monovision | Ein Auge (das Führungsauge) wird auf die Ferne korrigiert, das andere auf die Nähe. | Einfach anzupassen, oft mit normalen Linsen möglich. | Räumliches Sehen (3D) wird beeinträchtigt, oft unzureichend beim Autofahren bei Nacht. |
| Weiche Multifokallinsen | Weiche Kontaktlinsen mit mehreren Sehzonen. | Hoher Spontankomfort, schnelle Eingewöhnung. | Optik oft kompromissbehaftet (Schwankungen), Hornhautverkrümmungen schwerer ausgleichbar, trocknen das Auge stärker aus. |
| Formstabile Multifokallinsen | Harte Kontaktlinsen, maßgefertigt, mit präzisen konzentrischen Zonen oder Bifokalschliff. | Exzellente, unübertroffene optische Schärfe, gesündestes Material, gleicht Hornhautunebenheiten perfekt aus. | Längere Eingewöhnungszeit, Spontankomfort anfangs geringer. |
5. Warum formstabile Kontaktlinsen oft die beste Lösung sind
In der Anpassung zeigt sich oft: Wenn es um die absolute Sehqualität geht, führt kaum ein Weg an der formstabilen Linse vorbei. Das hat primär optische und physiologische Gründe.
Formstabile Linsen behalten auf dem Auge ihre Form. Sie schwimmen auf dem Tränenfilm und erzeugen zwischen der Linsenrückfläche und der Hornhaut eine Tränenlinse. Diese Tränenlinse gleicht fast alle Unebenheiten und Hornhautverkrümmungen (Astigmatismus) optisch perfekt aus. Da bei Alterssichtigkeit die optischen Zonen (Ferne, Zwischenbereich, Nähe) sehr klein und präzise auf der Linse angeordnet sein müssen, bietet das formstabile Material die nötige optische Stabilität. Eine weiche Linse verformt sich bei jedem Wimpernschlag leicht, was das komplexe Mehrstärkendesign „verzerren“ kann.
Zudem nehmen formstabile Linsen keine Tränenflüssigkeit auf. Besonders im Alter, wenn die Augen tendenziell trockener werden, bieten sie den langfristig gesünderen und komfortableren Sitz.
6. Wie multifokale Kontaktlinsen technisch funktionieren
Die optische Umsetzung von Gleitsicht bei einer Kontaktlinse ist ein faszinierendes physikalisches Prinzip. Im Gegensatz zur Gleitsichtbrille, bei der man den Kopf bewegt und durch verschiedene Glasbereiche blickt, bewegt sich die Kontaktlinse mit dem Auge mit. Wie kann man also Ferne und Nähe gleichzeitig sehen?
Es gibt zwei grundlegende Systeme:
Das simultane Prinzip (Simultanes Sehen)
Dies ist das am häufigsten verwendete Design. Auf der Linse sind mehrere Stärken (für Ferne und Nähe) in konzentrischen Ringen (wie bei einer Zielscheibe) angeordnet.
- Der optische Trick: Das Licht aus der Ferne und aus der Nähe fällt gleichzeitig (simultan) durch die Pupille auf die Netzhaut. Das Gehirn erhält also permanent ein scharfes und ein unscharfes Bild übereinandergelegt.
- Die Neurologie: Das menschliche Gehirn ist bemerkenswert. Es lernt innerhalb weniger Tage bis Wochen, das jeweils unscharfe Bild herauszufiltern (zu unterdrücken) und sich auf das scharfe Bild zu konzentrieren.
- Pupillenabhängigkeit: Da die Zonen fest auf der Linse sind, ist die Pupillengröße entscheidend. Bei viel Licht (kleine Pupille) wirkt oft nur die zentrale Zone, bei Dunkelheit (große Pupille) kommen die äußeren Zonen hinzu.
Das alternierende Prinzip (Bifokal)
Dieses System funktioniert tatsächlich ähnlich wie eine klassische Bifokalbrille.
- Der Aufbau: Die Linse hat oben die Fernstärke und unten ein echtes Lesesegment (getrennt durch eine unsichtbare Linie). Sie ist durch ein Prismengewicht so ausbalanciert, dass sie sich nicht auf dem Auge dreht.
- Die Funktion: Blickt der Träger geradeaus, schaut er durch den oberen Teil (Ferne). Senkt er den Blick zum Lesen, schiebt das Unterlid die Kontaktlinse leicht nach oben, und die Pupille wandert in das untere Lesesegment.
7. Multifokale Designs von Hecht Kontaktlinsen
Als Spezialist arbeite ich sehr gerne mit maßgefertigten Lösungen aus Deutschland. Die Firma Hecht Contactlinsen aus Freiburg bietet hier eines der präzisesten Portfolios am Markt. In meiner täglichen Praxis greife ich je nach anatomischen Voraussetzungen und Sehprofil des Kunden auf verschiedene Designs zurück.
Hecht MultiLIFE® BIAS
Dies ist eine formstabile Multifokallinse, die nach dem simultanen Prinzip funktioniert. Die multifokale Wirkung wird auf der Vorderseite der Linse durch konzentrische Ringzonen erzeugt.
- Funktionsprinzip: Simultan. Die zentrale Zone ist variabel.
- Zielgruppe: Ideale Allround-Linse für den Alltag. Da sich die optischen Ringe auf der Vorderfläche befinden, kann die Rückfläche perfekt an die Hornhaut (auch bei Verkrümmungen) angepasst werden.
- Besonderheit: Die zentrale Zone (FZD) kann in verschiedenen Größen (XS bis XL) bestellt werden. So kann ich die Linse wahlweise auf „Alltagstauglichkeit“ (Fokus auf Ferne und Nähe) oder auf „überwiegende PC-Anwendung“ (Fokus auf die mittlere Distanz) optimieren. Die Nahprofile sind als ADD A, B oder spezielle PC-Profile wählbar.
- Vorteile: Extreme Individualisierbarkeit der Sehanforderungen.
- Nachteile: Wie bei allen simultanen Linsen kann es bei Nachtfahrten anfangs zu leichten Halos (Lichtringen) kommen.
Hecht MultiLIFE® ASCON®
Eine Gleitsichtlinse, deren multifokaler Aufbau vorrangig in einem asphärischen progressiven Rückflächendesign liegt.
- Funktionsprinzip: Simultan durch asphärische Abflachung. Die Rückfläche ist vom Zentrum an bis zu 14° sphärisch und flacht dann gezielt ab.
- Zielgruppe: Menschen mit normaler bis moderat abgeflachter Hornhaut, die hohen Wert auf einen sanften Übergang zwischen Ferne und Nähe legen.
- Vorteile: Bietet oft eine hervorragende „Komfortanpassung“ (Zentral leichter Fluosee, Peripherie parallel), was den Tragekomfort erhöht.
- Nachteile: Stark abhängig von der natürlichen Topographie der Hornhaut. Ist diese zu irregulär, greift der optische Effekt der Rückfläche nicht optimal.
Hecht Bifokal (z.B. BICON)
Das klassische alternierende System.
- Funktionsprinzip: Alternierend (verschiebend). Ein echtes Nahteil im unteren Linsenbereich.
- Zielgruppe: Kunden, bei denen das simultane Sehen neurologisch nicht funktioniert (die also immer „Schatten“ sehen) oder die eine extrem gestochene Schärfe in der Nähe benötigen (z. B. Feinmechaniker, Architekten).
- Vorteile: Gestochen scharfe Optik ohne den Kontrastverlust simultaner Systeme. Keine Halos bei Nacht.
- Nachteile: Die Anpassung ist hochkomplex. Der Lidapparat muss perfekt mitspielen (ausreichende Unterlidspannung), damit die Linse beim Blick nach unten korrekt vorgeschoben wird.
Spezialdesigns (z.B. BIAS MAC / ASCON MAC)
„MAC“ steht bei Hecht für Mittlere Astigmatismus Compensation.
- Funktionsprinzip: Kombiniert das multifokale Design mit einer torischen Rückfläche (Differenz ca. 0.35 mm).
- Zielgruppe: Alterssichtige Kunden, die zusätzlich eine ausgeprägte Hornhautverkrümmung (ab ca. 0.75 dpt) haben.
- Vorteile: Die Linse zentriert sich trotz unrunder Hornhaut perfekt, was für multifokale Optiken zwingend erforderlich ist.
8. Typische Fragen aus der Praxis
Kunden kommen oft mit spezifischen Bedenken zu mir. Hier die ehrlichsten Antworten aus dem Beratungsalltag:
- „Kann ich damit wirklich Auto fahren und lesen?“ Ja. Sobald das Gehirn das simultane Sehen adaptiert hat, funktioniert der Wechsel stufenlos. Bei Nachtfahrten können anfangs leichte Strahlenkränze um Ampeln auftreten, die meist nach einigen Wochen vom Gehirn herausgefiltert werden.
- „Wie lange dauert die Eingewöhnung?“Körperlich an die Formstabilität (Fremdkörpergefühl): ca. 1 bis 2 Wochen. Neurologisch an das neue Sehen: ca. 2 bis 4 Wochen. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg.
- „Sind diese Linsen nicht furchtbar unbequem?“Harte Linsen von heute sind hoch gasdurchlässig und haben extrem feine, abgerundete Ränder. Das initiale Kratzen verschwindet. Nach der Eingewöhnung spürt man sie im Alltag nicht mehr.
9. Wie die Anpassung solcher Kontaktlinsen abläuft
Als Spezialist für kompliziertere Anpassungen (wie auch Keratokonus) weiß ich: Eine multifokale formstabile Linse kann man nicht einfach „aus dem Regal“ ziehen. Der Prozess ist reine Maßarbeit.
Schritt 1: Exakte Anamnese und Zieldefinition
Wir besprechen den Alltag. Arbeitet der Kunde 8 Stunden am PC? Fährt er viel nachts LKW? Ist er Handwerker? Diese Daten bestimmen, ob wir z.B. eine Hecht BIAS mit PC-Profil oder eine alltagstaugliche ASCON wählen.
Schritt 2: Topographie der Hornhaut
Mit einem Videokeratographen messen wir ca. 20.000 Datenpunkte der Hornhautoberfläche. Diese topographische Landkarte ist das Fundament der Anpassung.
Schritt 3: Pupillenmessung (Pupillometrie)
Ein entscheidender Schritt! Wir messen die Pupillengröße bei Helligkeit und bei Dämmerung. Da die optischen Ringe z.B. der MultiLIFE BIAS exakt über der Pupille liegen müssen, scheitert eine Anpassung oft, wenn die Zonen nicht auf die dynamische Pupille des Kunden abgestimmt sind.
Schritt 4: Aufsetzen der Messlinse & Fluoreszein-Bild
Ich setze eine erste, berechnete Testlinse auf. Mit einem gelben Farbstoff (Fluoreszein) und Blaulicht beurteile ich den Linsensitz mikroskopisch genau. Sitzt sie zu steil? Flacht sie in der Peripherie gut ab? Nur eine perfekt zentrierte Linse liefert ein scharfes multifokales Bild.
Schritt 5: Maßanfertigung und Feinjustierung (Über-Refraktion)
Die Linsen werden bei Hecht individuell gefräst. Direkt nach dem ersten Aufsetzen überprüfen wir die Linsen auf Optimierungspotenzial. Oft muss in einem zweiten Schritt die Nahzone vergrößert oder die Fernstärke um 0.25 Dioptrien justiert werden. Dies ist ein völlig normaler Teil des Prozesses.
10. Für wen diese Kontaktlinsen ideal sind
- Bisherige Träger formstabiler Linsen: Der Wechsel von Einstärken- auf Multifokal-Hartlinsen ist oft sehr unkompliziert.
- Menschen mit Astigmatismus (Hornhautverkrümmung): Die formstabile Linse gleicht dies optisch am saubersten aus.
- Kunden mit trockenen Augen: Formstabile Linsen entziehen dem Tränenfilm kein Wasser.
- Hohe Sehansprüche: Wer beruflich feinste Details erkennen muss und Kompromisse weicher Linsen nicht toleriert.
11. Wann diese Lösung nicht ideal ist
Ich mache keine unrealistischen Versprechen. In folgenden Fällen raten wir eher ab oder zu Alternativen:
- Extremer Staub/Schmutz am Arbeitsplatz: (z. B. Tischler, Bauarbeiter). Unter harte Linsen können leichter Staubkörner geraten, was sehr schmerzhaft ist.
- Gelegenheits-Träger: Wer Linsen nur 2x im Monat zum Sport tragen will, wird sich an harte Linsen nicht gewöhnen. Hier sind weiche multifokale Tageslinsen die bessere Wahl.
- Ungeduldige Kunden: Das Gehirn braucht Zeit für das simultane Sehen. Wer am ersten Tag aufgibt, wird mit diesem System nicht glücklich.
12. Persönliche Erfahrung aus der Praxis
In meiner Einrichtung in Mannheim befassen wir uns intensiv mit der Optimierung von Gleitsichtsystemen – sei es in der Brille oder direkt auf dem Auge. Gerade bei Kunden, die wir auch im Bereich Speziallinsen (z. B. bei Keratokonus) betreuen, zeigt sich, wie mächtig formstabile Materialien sind.
Ein klassisches Beispiel aus der letzten Woche: Ein 52-jähriger Ingenieur kam zu uns. Er trug weiche Multifokallinsen, klagte aber über „schwankendes“ Sehen am CAD-Bildschirm und sehr trockene Augen ab 15 Uhr. Nach der Umstellung auf eine formstabile mit maßgeschneidertem PC-Profil (vergrößerte mittlere Zone) erlebte er in den ersten Tagen zwar ein Fremdkörpergefühl, berichtete aber nach drei Wochen von einem sehr stabilen Visus (Sehschärfe) und weniger geröteten Augen. Auch bei längerer Tragezeit. Es ist diese Kombination aus physikalischer Präzision und passendem Material, die mich als Anpasser immer wieder überzeugt.
13. Fazit
Formstabile multifokale Kontaktlinsen, wie die exzellenten Designs von Hecht, sind zweifellos die Königsklasse der Presbyopie-Versorgung. Sie erfordern vom Kunden etwas Geduld in der Eingewöhnungsphase und vom Optiker ein hohes Maß an handwerklichem Können und Spezialwissen in der Topographie und Tränenfilmanalyse.
Wer diese anfängliche Hürde jedoch nimmt, wird mit einer unvergleichlichen optischen Brillanz, stufenlosem Sehen und der gesündesten Art des Kontaktlinsentragens belohnt. Sie sind die perfekte Lösung für alle, die auch in der zweiten Lebenshälfte keine Kompromisse bei ihrer visuellen Freiheit machen möchten.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu formstabilen Multifokallinsen
1. Wie funktionieren multifokale Kontaktlinsen?
Die meisten Modelle nutzen das simultane Prinzip: Mehrere Sehzonen (Ferne und Nähe) sind ringförmig auf der Linse angeordnet. Das Auge empfängt Bilder aus allen Entfernungen gleichzeitig, und das Gehirn filtert unbewusst das jeweils scharfe Bild heraus.
2. Sind harte Kontaktlinsen besser bei Alterssichtigkeit?
Optisch ja. Da sie sich beim Blinzeln nicht verformen und Hornhautverkrümmungen durch die darunterliegende Tränenlinse perfekt ausgleichen, bieten sie eine deutlich konstantere und schärfere Abbildung als weiche Linsen.
3. Kann man damit lesen und Auto fahren?
Absolut. Das ist der Hauptzweck dieser Linsen. Nach der neurologischen Eingewöhnungsphase (meist 2–4 Wochen) funktioniert der Wechsel zwischen Tacho, Straße und Handy stufenlos.
4. Wie lange dauert die Eingewöhnung?
Man muss zwei Phasen unterscheiden: Die körperliche Gewöhnung an das „Fremdkörpergefühl“ dauert ca. 1 bis 2 Wochen. Die neurologische Anpassung des Gehirns an das neue Sehprinzip kann 2 bis 4 Wochen in Anspruch nehmen.
5. Wie teuer sind formstabile Multifokallinsen?
Da es sich um mikrometergenaue Einzelanfertigungen handelt (Jahreslinsen), liegen die Kosten für ein Paar meist zwischen 350 und 500 Euro. Auf das Jahr gerechnet sind sie oft günstiger als hochwertige weiche Tages- oder Monatslinsen.
6. Verschlechtern die Linsen meine Augen?
Nein. Die Alterssichtigkeit schreitet durch den natürlichen Alterungsprozess der Augenlinse fort, unabhängig davon, ob Sie Linsen, eine Brille oder gar nichts tragen. Formstabile Linsen stoppen diesen Prozess nicht, beschleunigen ihn aber auch nicht.
7. Was passiert, wenn ich nachts Auto fahre?
In der Anfangszeit können um Lichtquellen (Autoscheinwerfer, Straßenlaternen) leichte Heiligenscheine („Halos“) auftreten. Dies liegt an der weiten Pupille, durch die das Licht der Nah-Ringe ins Auge fällt. Bei den meisten Trägern unterdrückt das Gehirn diesen Effekt nach einigen Wochen weitgehend.
8. Sind sie bei trockenen Augen geeignet?
Ja, oft sogar besser als weiche Linsen. Formstabile Linsen bestehen aus einem Material, das Wasser weder aufnimmt noch speichert. Sie entziehen dem Auge also keine Tränenflüssigkeit, was sie bei altersbedingt trockeneren Augen ideal macht.
9. Kann meine Hornhautverkrümmung damit korrigiert werden?
Ja. Eine reguläre Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) wird durch den Tränenfilm unter der Linse fast immer komplett korrigiert. Bei starken Verkrümmungen nutzen wir spezielle Designs (wie die Hecht MAC Linsen) mit torischer Rückfläche.
10. Fallen harte Linsen leicht aus dem Auge?
Moderne harte Linsen haben einen etwas größeren Durchmesser und eine perfekte Randgestaltung, wodurch sie durch die Lider gut gehalten werden. Bei normalem Alltag, Büroarbeit und Freizeitsport fallen sie nicht heraus. Lediglich bei extremem Kontaktsport (z.B. Kampfsport) ist Vorsicht geboten.
11. Wie pflegt man diese Speziallinsen?
Sie benötigen eine spezielle Reinigung, oft bestehend aus einem Oberflächenreiniger (abrasiv, um Lipide und Proteine zu entfernen) und einer Aufbewahrungslösung, die die Linse über Nacht desinfiziert und benetzt.
12. Wie oft muss ich die Linsen erneuern?

In der Regel handelt es sich um Jahreslinsen. Bei guter Pflege und stabilem Material können sie 12 Monate getragen werden. Wenn abrasive Reiniger verwendet werden oder Kratzer auf die Linsenoberfläche kommen, nimmt die Oberfläche einen Schaden und somit wird die Benetzung schlechter. Genau wie auf dem Bild oben gezeigt.
Da sich die Sehstärke (Addition) bei Presbyopie aber ändert, ist ein jährlicher Check-up unerlässlich. Unsere Empfehlung liegt bei einem 6 Monatsturnus.
