Toleranzen bei Brillengläsern nach DIN EN ISO 21987 – einfach erklärt

Optik Toleranz-Check

Prüfung auf Abgabefähigkeit nach DIN EN ISO 21987

Soll

Rezeptwerte (Verordnung)

Rechts (R)

Links (L)

Ist

Messwerte (Scheitelbrechwertmesser)

Rechts (R)

Links (L)

Wenn eine neue Brille gekauft wurde, stellt sich häufig die Frage: Entspricht sie exakt der verordneten Sehstärke? Stimmen die Zylinderachsen, die Zentrierung oder sogar prismatische Korrekturen? Um diese Frage objektiv zu beantworten – also nicht nach Gefühl, sondern nach messbaren Kriterien – gibt es die international gültige Norm DIN EN ISO 21987.

Diese Norm beschreibt genaue Toleranzbereiche, innerhalb derer eine Brille noch als fachgerecht gefertigt gilt. Die DIN-Norm bezieht sich dabei auf:

  • Sphäre (Kurz- oder Weitsichtigkeit),
  • Zylinder und Achse (bei Hornhautverkrümmung),
  • Zentrierung der Gläser (Pupillendistanz und Höhenlage),
  • prismatische Effekte (ungewollt oder verordnet),
  • sowie die Basenlage des Prismas.

Auf unserer Website steht Ihnen oben im Artikel ein praktisches Prüftool zur Verfügung, mit dem Sie selbst überprüfen können, ob Ihre Brille den zulässigen Toleranzbereichen entspricht. Geben Sie einfach Ihre Soll- und Ist-Werte ein, und das Tool prüft automatisch, ob Ihre Brille „innerhalb der Norm“ liegt.

Zusammenfassung: Was sagt die DIN EN ISO 21987 konkret?

ParameterWas wird geprüft?ToleranzbereichRelevanz für Ihre Seherfahrung
Sphäre (SPH)Abweichung zur verordneten Dioptrie±0,12 dpt (bis ca. ±6 dpt), darüber mehrWirkt sich auf die Fern- oder Nahschärfe aus
Zylinder (CYL)Stärke bei Astigmatismus±0,12 dpt bis ±0,18 dptKann Unschärfe oder Verzerrung verursachen
AchseDrehposition des Zylinders±2° bis ±16° (abhängig von der Zylinderstärke)Besonders wichtig bei hohen Zylinderwerten
ZentrierungPupillendistanz (PD) & Höhe±1 mm (horizontal & vertikal)Relevanz für bequeme und scharfe Sicht
PrismaUnerwünschte oder verschriebene prismatische Wirkungz. B. ±0,67 cm/mAbweichung kann zu Doppelbildern führen
BasislageRichtung des PrismasToleranz je nach Basisrichtung (0°–360°)Einfluss auf Augenkoordination & Komfort

1. Die Bedeutung der Norm DIN EN ISO 21987

Die DIN EN ISO 21987 ist eine international anerkannte Richtlinie, die für alle verglasbaren Brillenfassungen gilt – ob Einstärkengläser, Gleitsichtgläser, Lesebrillen oder Spezialanfertigungen. Sie definiert erlaubte Abweichungen zwischen der verordneten Brillenstärke und der tatsächlich ausgelieferten Brille. Dies betrifft sowohl die optischen Parameter als auch die räumliche Positionierung der Gläser im Brillengestell.

Ziel ist es, trotz produktionstechnischer Schwankungen und individueller Anatomie des Brillenträgers eine komfortable und präzise Sehleistung sicherzustellen – ohne dass minimale Differenzen zu Beschwerden führen.

2. Toleranzen bei Sphäre und Zylinder

Die Sphäre beschreibt den Hauptanteil der Korrektur bei Kurz- oder Weitsichtigkeit. Der Zylinder korrigiert einen Astigmatismus. Auch wenn beide Werte exakt vermessen werden, kann die Produktion der Gläser nie völlig ohne Abweichung erfolgen.

Erlaubte Toleranzen:

StärkebereichSphärische ToleranzZylindrische Toleranz
≤ ±6,00 dpt±0,12 dpt±0,12 dpt
> ±6,00 dpt±0,18 dpt±0,18 dpt

Diese Abweichungen gelten sowohl für Einstärken- als auch Mehrstärkengläser. Sie liegen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle vieler Menschen – besonders bei symmetrischer Versorgung beider Augen.

3. Achslage bei Astigmatismus – präzise Ausrichtung erforderlich

Bei der Korrektur einer Hornhautverkrümmung ist nicht nur die Zylinderstärke, sondern auch die Achslage entscheidend. Bereits geringe Abweichungen können sich auf die Sehschärfe und das subjektive Sehempfinden auswirken.

Zulässige Achsabweichungen laut Norm:

ZylinderwertMaximale Achsabweichung
≤ 0,25 dpt±16°
= 0,50 dpt±9°
= 0,75 bis 1,50 dpt±6°
> 1,50 bis 2,50 dpt±3°
> 2,50 dpt±2°

Diese Abweichungen lassen sich mit geeigneten Messsystemen objektiv ermitteln.

4. Zentrierung: Die genaue Position des Glases entscheidet

Die Brillengläser müssen exakt auf Ihre Pupillenmitten ausgerichtet werden – sowohl horizontal als auch vertikal. Insbesondere bei Gleitsichtgläsern ist eine exakte Zentrierung entscheidend, damit Sie alle Sehbereiche (Fern, Zwischen, Nah) störungsfrei nutzen können.

Toleranzbereiche für die Zentrierung:

ZentrierparameterZulässige Abweichung
Pupillendistanz (PD)±1,0 mm
Vertikale Höhe (bei Gleitsicht)±1,0 mm
Differenz rechts/links±1,0 mm

Eine falsche Zentrierung führt häufig zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder unklarem Sehen – selbst wenn die Brillenglasstärke exakt stimmt.

5. Prisma und Basislage: Korrekte Ausrichtung ist entscheidend

Ein Prisma wird entweder gezielt verordnet (z. B. bei Winkelfehlsichtigkeit) oder entsteht als Nebeneffekt durch unsaubere Zentrierung. Die Norm erlaubt in bestimmten Grenzen unbeabsichtigte prismatische Abweichungen, wenn sie durch Produktionsbedingungen nicht vollständig vermeidbar sind.

Wichtig ist dabei die Basislage – also die Richtung, in die das Prisma wirkt (oben, unten, nasal, temporal, etc.).

Normgrenzen (vereinfacht):

  • Maximale prismatische Wirkung: bis 0,67 cm/m ohne Korrektur (bei niedrigen Stärken)
  • Bei verordnetem Prisma: Abweichung von Basislage max. ±3°–5° je nach Wirkung

Ihre Website ermöglicht es Ihnen, sowohl Prismenwerte als auch deren Basisrichtungen einzugeben und mit der Norm abzugleichen.

6. Interpretation Ihrer Ergebnisse im Toleranz-Tool

Mit dem Online-Prüftool können Sie gezielt überprüfen, ob Ihre aktuelle Brille den Toleranzvorgaben der DIN EN ISO 21987 entspricht.

So funktioniert die Eingabe:

Sie tragen einfach Ihre:

  • verordneten Werte (Sphäre, Zylinder, Achse, PD, Prisma, Basis),
  • sowie die tatsächlich gemessenen Werte

ein – von Ihrem Augenoptiker. Das Tool prüft automatisch, ob die Differenzen im Normbereich liegen.

Mögliche Auswertungen:

  • “Innerhalb der Norm”
    → Die Brille ist fachgerecht gefertigt, Abweichungen sind zulässig.
  • “Außerhalb der Norm”
    → Überprüfung und ggf. Neuanpassung empfehlenswert.

Hinweis zur individuellen Toleranzgrenze: Nicht jede „abgabefähige“ Brille ist auch verträglich

Auch wenn eine Brille laut DIN EN ISO 21987 „innerhalb der Toleranz“ liegt und somit formal abgabefähig ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie auch von jeder Person problemlos getragen werden kann.

In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, deutlich engere Toleranzen anzustreben – etwa bei:

  • Personen mit außergewöhnlich hoher Sehleistung (z. B. visus 2,0 oder 200 %),
  • besonders sensiblen Trägerinnen und Trägern, die auf kleinste prismatische Nebenwirkungen reagieren,
  • Berufen mit hohen visuellen Anforderungen (z. B. Chirurgie, Grafikdesign, Präzisionsmechanik),
  • oder Menschen, die bei neuen Brillen bereits in der Vergangenheit mit massiven Eingewöhnungsproblemen zu kämpfen hatten.

In diesen Fällen prüfen wir gemeinsam mit Ihnen, ob eine individualisierte Fertigung jenseits der Normgrenzen sinnvoll oder sogar notwendig ist. Gerade moderne Freiformtechnologie und präzise Zentrierparameter bieten hier vielfältige Möglichkeiten.

Unser Fazit:
Die DIN-Norm ist ein wertvoller Maßstab – aber nicht der Maßstab für Ihre individuelle Verträglichkeit. Wenn Sie Ihre Brille nicht vertragen, obwohl alle Werte „korrekt“ erscheinen, lohnt sich eine genauere Betrachtung durch unsere Meisterwerkstatt in jedem Fall.

Bei Fragen oder Unsicherheiten stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße
Ihr Team der Brillenmacher Wallstadt

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